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Schreibwettbewerb >> 2008

5. Schreibwettbewerb 2008

Tübingen, 8.November 2008

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH
den Preisträgerinnen und Preisträgern des
5. Schreibwettbewerbes für junge Menschen 2008

Preisträger Schreibwettbewerb 2008 Preisträger Schreibwettbewerb 2008 Preisträger Schreibwettbewerb 2008 Preisträger Schreibwettbewerb 2008 Preisträger Schreibwettbewerb 2008 Preisträger Schreibwettbewerb 2008 Preisträger Schreibwettbewerb 2008 Preisträger Schreibwettbewerb 2008 Preisträger Schreibwettbewerb 2008 Preisträger Schreibwettbewerb 2008 Preisträger Schreibwettbewerb 2008 Preisträger Schreibwettbewerb 2008

Altersgruppe I / 16 – 20 Jahre

1. Preis
Jule Sonnentag - 1989
Jemand von Wichtigkeit


Jule Sonnentags Geschichte "Jemand von Wichtigkeit" ist der Figur, die sie beschreibt, sehr nahe. Sie zeichnet die Perspektive einer jungen Frau nach, die, wenn man so sagen kann, um die Gewichtung ihres eigenen Lebens ringt. Ihr Text beleuchtet die Details, er zeichnet aufmerksam den suchenden Blick nach, die tastenden Hoffnungen. Der Text nimmt wahr, genau wahr. Aber er gibt nie vor, mehr zu wissen als die Figur, die er beschreibt. Gerade darin liegt sein besonderer Wert. Am Ende hat der Leser eine Menge verstanden von dem Menschen, aber ein leichtes Urteil über ihn kann er nun nicht mehr fällen.

2. Preis
Marius Windt - 1989
Nicolai und Snezana

Marius Windt beschreibt, wie sich das anfühlt, wenn man an seine Herkunft gefesselt ist. Er schaut hin auf die Details, auch auf die, die nicht schön sind. Er beobachtet genau, was gesagt und getan – aber auch, was nicht gesagt und nicht getan wird. Vor dem Leser entstehen zwei Figuren – Nicolai und Snezana – die ihm viel zu zeigen haben: von der Sehnsucht nach Leben und von dem, was an Liebe möglich ist. Es gibt berührende Szenen, wie sich die beiden so gefesselten Figuren nahekommen, wie sie sich die Freiheit erkämpfen, die sie erträumen.

3. Preis
Iris Keller - 1988
Bleib auf einen Kaffee


„Wir sollten diesen Tag schlafen legen ...“ Diese Zeile zieht sich wie ein Refrain durch den Text „Bleib auf einen Kaffee“. Damit setzt sich Iris Keller über die formalen Grenzen des Erzählerischen, der Prosa hinweg. Ihre Sprache folgt einem eigenen Rhythmus. Der rastlose, getriebene Fluss der Worte erinnert an Hip-Hop, die Poesie der Straße. Es ist die Sprache derer, um die es in Iris Kellers Text geht. Erst allmählich zeichnet sich die Handlung ab, vieles bleibt in der Schwebe. Die Geschichte lebt vom Ungesagten, vom nur Angedeuteten, von schnellen Schnitten, die an einen Musik-Video-Clip erinnern

Altersgruppe II / 21 - 25 Jahre

1. Preis
Martin Gierczak – 1985
Zu hart geht auch nicht


Martin Gierczak gelingt es, auf wenigen Seiten einen ganzen kleinen Kosmos aufzurichten, aufregend neu und plausibel in seiner Authentizität. Mit ganz wenigen Angaben zu Setting und Personen steht die Szene vollständig da. Das Thema »Achten statt Ächten« ist auf zwei, eigentlich sogar drei Ebenen präsent und damit mehrdimensional aufbereitet. Der Autor lässt den Ausgang offen; es gelingt ihm, mit einem minimalen Fortschritt im letzten Absatz ohne moralischen Zeigefinger und ohne spektakulären Tusch den Leser in eine nicht unberechtigte, aber schwebende Hoffnung zu entlassen.

2. Preis
Sarah Fiona Gahlen – 1983
Marks Zug


Für das komplexe Innenleben eines Außenseiters, eines Gehandicapten findet die Autorin ein ungemein tragfähiges Bild in der hochdifferenzierten Struktur eines Bahnhofes und seiner ein- und durchfahrenden Güter- und Personenzüge. Komprimiert auf nur wenige Minuten schildert sie die Begegnung des sich verachtet Fühlenden mit seiner Schwester. Der gelassene Ton der Erzählung, die Souveränität der Hauptfigur enthält die geforderte Achtung vor den Träumen, der Würde und den Möglichkeiten des Menschen in sich selbst.

3. Preis Petra Buys - 1983
Die Stille des Schnees


„Es wurde Zeit.“ So endet die Kurzgeschichte „Die Stille des Schnees“ von Petra Buys. Gut drei Seiten reichen ihr, um eine dichte, komplexe und nachdenklich stimmende Story zu erzählen. Dalia ist aus dem Heim. Dieses Stigma trägt sie mit sich, und es prägt sie. Und das, obwohl sie Glück hatte. Sie konnte eine Ausbildung machen und das Heim hinter sich lassen. Petra Buys überzeugt durch ihre einfühlsame und tastende Sprache – jedes Wort ist abgewogen und sauber platziert. Während die Story vielschichtig ist, bleibt die Sprache schlicht und ohne Schnörkel und ist dennoch voller Andeutungen.